Ist die Zukunft der ambulanten Pflege noch zu retten?

Michaela Starun, die Leiterin des ambulanten Pflegedienstes Lambertinum

Die Missstände in der Pflege sind so zahlreich, dass sich wohl kaum noch jemand über den viel diskutierten Mangel an Pflegekräften wundert. Derzeit sind laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit rund 36.000 Pflegestellen nicht besetzt. Fachleute befürchten einen Mangel von bis zu einer halben Million Fachkräfte bis zum Jahr 2030. Besonders in der ambulanten Pflege fehlt es an Personal. Die Gründe sind neben bundesweit stark unterschiedlicher, schlechter Bezahlung ein enorm hohes Arbeitspensum, unattraktiver Schichtdienst und ein ständig wachsender Bürokratieberg, der enorme Kosten verursacht und immer mehr wertvolle Pflegezeit frisst.

„Ein schlimmer Teufelskreis,“ sagt Michaela Starun, die Leiterin des ambulanten Pflegedienstes Lambertinum besorgt. „Je weniger Personal es in der ambulanten Pflege gibt, desto höher wird die Arbeitsbelastung und desto unattraktiver wird der Beruf. Jungen Menschen ist heute die Work-Life-Balance wichtig. Schichtdienst und überstunden will bei schlechter Bezahlung fast niemand mehr machen,“ erklärt die erfahrene Leiterin des Pflegedienstes. Sie wünscht sich schon lange eine bessere Bezahlung, bundesweit einheitliche Tarifverträge, weniger Bürokratie und mehr Ansehen für Pflegeberufe und hofft vergeblich auf Unterstützung durch die Politik.

Am 1. Januar 2019 tritt das von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Weg gebrachte Pflegepersonal-Stärkungsgesetz in Kraft. Es verspricht unter anderem mehr Personal für stationäre Pflegeeinrichtungen und eine Lohnerhöhung um 20 %, finanziert von den Krankenkassen. Das klingt erstmal gut. Nur leider sind die ambulanten Pflegedienste von dieser neuen Regelung komplett ausgeschlossen. Die Krankenkassen sind im Rahmen der Verträge nach § 132 a SGB V nicht bereit, die Löhne der Mitarbeitenden in der ambulanten Pflege zu erhöhen. Ihnen bleibt nur die allgemeine Lohnsummensteigerung.
Ab 2020 wird es zudem eine einheitliche Pflegeausbildung geben. Wer wird sich dann noch für die Arbeit im ambulanten Sektor entscheiden, wenn sich im stationären 20 % mehr verdienen lässt?

„Diese Entscheidungen versetzen der ambulanten Pflege endgültig den Todesstoß. Künftig werden examinierte Pflegekräfte die Arbeit in stationären Einrichtungen vorziehen oder wegen der attraktiveren Tarife in Bundesländer wie Bayern oder Baden-Württemberg abwandern,“ erläutert Michaela Starun. „Ich verstehe nicht, warum Krankenkassen und Politik die ambulante Pflege systematisch vernichten.“ Die Leiterin des ambulanten Pflegedienstes Lambertinum ist ratlos.

Aber das ist noch nicht alles. Am 1. August diesen Jahres hat die kontrovers diskutierte Pflegekammer in Niedersachsen ihre Arbeit aufgenommen. Demokratisch gewählte Mitglieder werden die Interessen der Pflege gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit vertreten, die Berufsaufsicht führen, Fort- und Weiterbildung regeln und die Qualität in der Pflege sichern. Die Mitgliedschaft in der Kammer als Körperschaft des öffentlichen Rechts ist für alle Pflegefachkräfte Pflicht. Wer der Meldepflicht nicht nachkommt, bezahlt bis zu 2.500 Euro Strafe. Für Arbeitgeber beträgt das Zwangsgeld sogar bis zu 50.000 Euro. Und viele bezweifeln, dass sich die Missstände in der Pflege durch das Engagement der Kammer verbessern werden. Der Pflichtbeitrag von bis zu 280 Euro jährlich bedeutet außerdem zunächst eine Lohnkürzung, wo dringend eine Erhöhung gebraucht wird. „Wir kämpfen einen ermüdenden Kampf gegen Windmühlen,“ sagt Michaela Starun. Schon heute können viele pflegebedürftige Menschen wegen des Personalmangels nicht mehr ambulant versorgt werden. Dabei wollen doch fast alle so lange wie möglich in ihrem Zuhause bleiben.

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